Von Köln ins Nationalarchiv Maltas
Großmeisterbriefe des Malteserordens kehrten zurück
Seit gut einem Jahr können Interessierte im Nationalarchiv von Malta in Rabat eine außergewöhnliche Sammlung historischer Dokumente des Malteserordens einsehen. Im Mittelpunkt stehen Briefe von 13 Großmeistern des Ordens. Dass die Briefe nun wieder nach Malta zurückkehren konnten, ist einer wunderbaren Fügung zu verdanken. Die Deutsche Botschaft in Malta, die davon erfuhr, sprach von einem „hervorragenden Beispiel deutsch-maltesischer Zusammenarbeit“. Doch erzählen wir die Geschichte der Reihe nach.
Im Jahr 2024 übergab Wolfgang Juncker (Homburg) zunächst zwei Original-Großmeisterbriefe als persönliches Geschenk an Christian Launer (Köln).
Es folgte ein längerer Schriftwechsel mit der Idee, die Briefe dem Nationalarchiv von Malta (The National Archives of Malta) zu überlassen, um diese professionell aufzubewahren und zugleich – etwa für Forschungszwecke – zugänglich zu machen. Von diesem Gedanken war Juncker so begeistert, dass er Launer weitere ca. 250 bis 450 Jahre alte Originale und andere Dokumente schenkte.
Die Briefe sind in französischer, spanischer, italienischer Sprache sowie in Latein verfasst, bei einigen waren auch noch die ursprünglichen Briefumschläge sowie die Siegel beigefügt.
Aus privater Sammlung ins Staatsarchiv
Das Nationalarchiv war sehr interessiert an der Sammlung, und so kehrten die Briefe im April 2025 zurück nach Malta. Dort wurden sie fachkundig fotografiert, ins Englische und Deutsche übersetzt und werden nun geschützt und sachgemäß gelagert.
Insgesamt umfasst die Sammlung 29 Dokumente, darunter 28 handschriftliche Stücke und ein Druckwerk. Ihr Kern sind 25 Briefe von Großmeistern des Malteserordens. Damit handelt es sich nicht um beliebige Ordenskorrespondenz, sondern um Schreiben der höchsten Repräsentanten des Ordens während seiner Zeit auf Malta.
Das Archiv ließ in sehr geringer Stückzahl außerdem Broschüren mit den Fotos und Übersetzungen aller Briefe anfertigen. Launer, der wenige Exemplare der „Christian Launer Collection“ erhalten hatte, übergab sowohl Wolfgang Juncker als auch der deutschen und der maltesischen Botschaft jeweils eine Kopie.
Die Briefe der Großmeister, allesamt während der Malta-Regentschaft des Ordens verfasst, umspannen einen Zeitraum von 1572 bis 1797. Die Reihe der Verfasser beginnt mit dem 51. Großmeister de La Cassière und endet mit dem 71. Großmeister, Ferdinand von Hompesch zu Bolheim, dem ersten Deutschen in diesem Amt und dem letzten Großmeister vor der Vertreibung des Ordens aus Malta durch Napoleon.
Themenvielfalt: Vom strategischen Bündnis bis zum vereitelten Mordkomplott
Unter den Absendern findet man so geschichtsträchtige und durch Orte und Plätze auf Malta bekannte Namen wie Verdala, Wignacourt, Lascaris, Vilhena, Pinto de Fonseca und eben Hompesch. Zu den Adressaten gehören der europäische Hochadel, Kirchenvertreter sowie Ordensmitglieder außerhalb Maltas.
Die in den Briefen angesprochenen Themen reichen vom Austausch von Höflichkeiten und der Verwaltung des paneuropäischen Ordens bis zu kriegerischen Auseinandersetzungen des Ordens mit dem Osmanischen Reich an der Seite der Republik Venedig sowie dem geplanten, aber verratenen Sklavenaufstand gegen den Orden und dem vereitelten Mordkomplott an Großmeister Pinto unter Führung des Mustafa Pascha.

Erinnerungsfoto von der Übergabe der Großmeisterbriefe im Nationalarchiv Maltas in Rabat: Christian und Bettina Launer (links), Dr. Charles J. Farrugia, Maltas Nationalarchivar und CEO der National Archives of Malta (Mitte), daneben Senior Inspector of Records Ivan Ellul (2. v. r.) und Paläograf Samuel Azzopardi (rechts). Foto: National Archives of Malta.
Bertold Schmitt-Feuerbach