Städtebund-Jubiläum auf Malta
50. Douzelage-Jahrestreffen in Marsaskala – mit starker Beteiligung aus Bad Kötzting
Vom 3. bis 6. September 2026 stand Marsaskala ganz im Zeichen der europäischen Verständigung. Die Küstenstadt im Süden der Insel Malta war Gastgeber des 50. Jahrestreffens (General Meeting) der europäischen Städtepartnerschaft Douzelage. Mit dabei war auch die Abordnung aus der deutschen Partnerstadt Bad Kötzting, die traditionell eine tragende Rolle im Netzwerk einnimmt.
In Marsaskala feierte die Vereinigung aus 28 europäischen Kommunen (je eine aus jedem der 27 EU-Mitgliedstaaten sowie das britische Gründungsmitglied Sherborne) gleich ein doppeltes Jubiläum: Das 50. General Meeting markiert zugleich das 35-jährige Bestehen dieser in Europa einzigartigen Partnerschaftsinitiative. Marsaskala hatte bereits 2011, zum 20-jährigen Jubiläum der Douzelage, ein General Meeting ausgerichtet.
Gegründet wurde die Douzelage 1991 mit dem Anspruch, aus jedem Land der EU (damals hieß sie noch EG) je eine Stadt zum Mitglied zu haben. Vor 35 Jahren umfasste die damalige Europäische Gemeinschaft zwölf Mitgliedstaaten, und die Douzelage (eine Wortschöpfung aus „douze“, französisch für „zwölf“ und „Jumelage“ = Städtepartnerschaft) hatte dementsprechend 12 Gründungsmitglieder.

Europäische Verbundenheit als Street Art: Douzelage-Wappen an einer Hausfassade in Bad Kötzting. Foto: © Günther Roith.
Auch Bad Kötzting zählt zu den Gründern der Douzelage. Der deutsche Douzelage-Partner, im Landkreis Cham in der Oberpfalz gelegen, war mit einer neunköpfigen Gruppe in Marsaskala vertreten, darunter die Delegierten für das General Meeting, das Education Meeting und das Youth Meeting (siehe weiter unten).
Zwischen Plenum, Workshops und maltesischer Gastfreundschaft
Auf die Delegationen wartete in Marsaskala ein straff gefüllter Terminkalender. Das General Meeting hat immer ein Leitthema. Diesmal ging es um die „Bekämpfung häuslicher Gewalt in der lokalen Gemeinschaft“ (Tackling Domestic Violence in the Local Community). Während der Konferenz, die aus Mitteln des EU-Programms CERV (Citizens, Equality, Rights and Values) gefördert wird, gaben Experten auf den Gebieten Strafverfolgung und Opferhilfe ihr Fachwissen an die Teilnehmenden der drei Säulen des General Meetings weiter: Vertreter der Kommunalverwaltung, Delegierte aus dem Bildungsbereich sowie der Jugend.
Und auf allen Ebenen war Bad Kötzting in Marsaskala gut vertreten: Beim General Meeting durch Manuela Kraus (Leiterin des Bürgermeister-Vorzimmers und städtische Douzelage-Verantwortliche) sowie Corinna Hacker (sie war einige Jahre im Youth Board und auch dessen Vizevorsitzende), beim Education Meeting durch Sandra Ederer und Ingrid Rauscher (beide sind Lehrkräfte am Bad Kötztinger Benedikt-Stattler-Gymnasium) und beim Youth Meeting durch Lukas Fischer und Ali Alamir Hasan (beide sind auch Mitglieder im Jugendrat Bad Kötzting).

Sie waren aus Bad Kötzting zum 50. General Meeting der Douzelage nach Marsaskala gereist: (v.l.n.r.) Lukas Fischer, Ingrid Rauscher, Agathe Kerscher, Corinna Hacker, Ali Alamir Hasan, Wolfgang Kerscher, Patrick Kraus, Manuela Kraus, Sandra Ederer. Foto mit freundlicher Unterstützung von: Stadt Bad Kötzting
Zu den drei Begleitern der Gruppe aus Bad Kötzting ohne Delegiertenstatus gehörte mit Wolfgang Kerscher auch ein Gesicht der ersten Stunde: Der langjährige Stadtrat, frühere Bürgermeister-Stellvertreter und Kulturreferent war bereits 1991 bei der Gründung der Douzelage dabei und konnte diese Jahrzehnte währende Erfahrung erneut in Marsaskala einbringen.

Trutziges Wahrzeichen an der Küste: Der 1614 errichtete St Thomas Tower in Marsaskala beherbergt das Pirates and Corsairs Museum. Foto: © Valletta | Das Journal / BSF.
Doch standen neben den Beratungen im Plenum und in den Workshops auch gemeinsame Kultur- und Begegnungsprogramme auf der Agenda des Marsaskala Local Council. Jedenfalls freute sich Marsaskalas Bürgermeister Mario Calleja schon im Vorfeld darauf, „Marsaskala, unsere Kultur und unsere berühmte maltesische Gastfreundschaft zu präsentieren und unseren Gästen die Gelegenheit zu geben, all das zu erleben, was unsere Gemeinde zu bieten hat“.
Den Auftakt des Rahmenprogramms bildete eine Parade der Delegationen im olympischen Stil. Sie führte vom Douzelage-Monument an der Seepromenade über die St. Anne’s Gardens zum Rathaus. Begleitet vom St. Anne’s Band Club (Għaqda Mużikali Sant’Anna) schritt jede Delegation hinter ihrer Landesfahne her, getragen von einem Mitglied der „18th Marsaskala Girl Guides“. Bei einer Zeremonie in den St. Anne’s Gardens wurden die Fahnen der Douzelage, der Europäischen Union, Maltas und der irischen Stadt Bundoran, Heimat des amtierenden Präsidenten Shane Smyth, feierlich gehisst. Zum Programm gehörten außerdem ein Besuch des St. Thomas Tower, wo ein gemeinsames Gruppenfoto aller Delegationen entstand, sowie am letzten Nachmittag wahlweise ein Strandbesuch oder eine Tour zu den Three Cities.
Stimmen aus der Delegation: Zwischen familiärer Herzlichkeit und ernsten Themen
Valletta | Das Journal war nicht in Marsaskala vor Ort, sprach jedoch von Deutschland aus telefonisch mit Manuela Kraus, Lukas Fischer und Ali Alamir Hasan. Alle drei hoben die herzliche Gastfreundschaft hervor und zeigten sich vom Verlauf der Treffen tief beeindruckt.
„Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden – man hat sich vom ersten Moment am Flughafen super um uns gekümmert“, berichtet Manuela Kraus. Dieses Gefühl sei typisch für den europäischen Städtebund: „Es ist in der Douzelage eigentlich immer wie in einer großen Familie. Wenn man sich wiedersieht, ist die Freude riesig, und über die vielen Jahre sind echte Freundschaften gewachsen.“ Auch die Begegnungen abseits des Konferenzsaales weiß die Douzelage-Koordinatorin zu schätzen, etwa beim abendlichen Barbecue unter freiem Himmel vor dem Gebäude des Local Council: „Dass auf Malta alles draußen stattfinden kann, ist herrlich. Solche Abende sind ideal, um bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen.“ Dass die Douzelage-Familie an einem Septemberabend noch bei hochsommerlichen 30 Grad zusammenkommen konnte, ist nicht selbstverständlich. Schließlich hat der paneuropäische Städtebund sein nördlichstes Mitglied in Finnland (Asikkala).
Gleichzeitig forderte das Leitthema der Tagung die Teilnehmer emotional wie fachlich. Nach anderthalb Tagen intensiver Vorträge von Polizeiinspektoren und Fachkräften aus der Opferhilfe zog Manuela Kraus ein nachdenkliches Fazit: „Man bekommt einen ganz anderen Weitblick. Häusliche Gewalt ist ein Thema, das einen nicht loslässt – wir haben auch an den Abenden noch sehr viel darüber diskutiert.“
Diesen tiefen Eindruck bestätigt Lukas Fischer, der für Bad Kötzting am parallel tagenden Youth Meeting teilnahm. Die Konferenz berührte ihn auch in seiner heimatlichen Funktion als Jugendleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er habe ständig mit Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren zu tun – genau in dem Alter, in dem er ihnen zu solchen Themen etwas mitgeben könne. Bei der Feuerwehr gehe es schließlich "nicht nur um technische Einsätze, sondern darum, aufgeschlossen durchs Leben zu gehen, um Hilfsbereitschaft und Fürsorge für den Nächsten". Die Schilderungen der Referenten hätten ihm vor Augen geführt, in welchem Ausmaß häusliche Gewalt im Verborgenen geschehe, oft im engsten, vermeintlich vertrauten Familienkreis.
Auch für Ali Alamir Hasan war es die erste Reise nach Malta, nachdem er zuvor unter anderem Treffen in Slowenien und im englischen Sherborne miterlebt hatte. Auch ihn beeindruckten die Vorträge zum Thema häusliche Gewalt nachhaltig. "Ich habe für mich selbst viel gelernt", vor allem, wie man sensibel auf Menschen zugehe und sie anspricht, wenn man das Gefühl hat, dass sie unter familiärer Gewalt leiden.
Ali Alamir Hasan war auch voll des Lobes über den Ablauf des Youth Meetings und die Organisation von maltesischer Seite. „Die haben alles hervorragend organisiert. Dass sie sich nach dem offiziellen Programm noch die Zeit genommen haben, gemeinsam etwas mit uns zu unternehmen, ist ein enormer Aufwand – und ein schönes Zeichen von Zusammenhalt.“

Kulturlandschaft am Meer: Traditionelle Salzpfannen an der Küste von Marsaskala. Foto: © Valletta | Das Journal / BSF
Einen symbolischen Höhepunkt markierte zum Abschluss des Treffens der traditionelle Stabwechsel: Nach den Tagen auf Malta ging die Douzelage-Fahne feierlich an Niederanven über. Die luxemburgische Gemeinde wird im Mai 2027 das 51. Jahrestreffen ausrichten. Für Niederanven ist es das dritte General Meeting nach 1995 und 2001.
Weiterführende Informationen & Links
- Website der Douzelage: Douzelage European Town Twinning
- Treffen in Marsaskala: Rückblick & Berichte zum 50. General Meeting 2026
- Partnerstadt Bad Kötzting: Bad Kötzting in der Douzelage
- Überblicksartikel in Valletta | Das Journal: Partnerschaften zwischen maltesischen und deutschen Städten und Gemeinden
Hinweis: Valletta | Das Journal hat den Artikel während und zum Abschluss des Jahrestreffens aktualisiert.