HOME

IVALLETTA | DAS JOURNALMPRESSUM

DATENSCHUTZ


www.valletta-journal.de

www.valletta-journal.de

 HOME

| SEHENSWÜRDIGKEITEN UND TIPPS

|  KULTUR UND EVENTS

|  KALENDER

|  ESSEN UND TRINKEN

|  MALTA UND EUROPA

Facebook-Hinweis Valletta | Das Journal

DER BLOG  | Eine Malta-Stele im Osnabrücker Land  +++  Maltesisch-Sommerkurse an der Uni Bremen   + + +    | DAS SIND WIR

Xemxija Heritage Trail

Wandern durch Natur und Geschichte in Maltas Norden | Teil 1

10 August 2019. Seite 1 von 3


Markierte Wanderwege gibt es nicht viele auf Malta. Der Xemxija Heritage Trail in Xemxija (gesprochen: Schemschija), einem Stadtteil von St. Paul’s Bay, profitiert davon, dass man sich liebevoll um ihn kümmert.  Einst ein Zeugnis römischer Straßenbaukunst (Roman Road), viel später ein Pilgerweg und heute eine Gelegenheit für eine Zeitreise von der Steinzeit bis in die Neuzeit. Nicht so spektakulär wie die großen Steinzeittempel auf Malta und Gozo, die Katakomben und das Domus Romana in Rabat/Malta, die Höhle Għar Dalam oder die Funde im archäologischen Nationalmuseum in Valletta. Dafür können Sie sich jedoch frei auf dem Weg bewegen, das Gelände ist nicht eingezäunt, und es gibt auch kein Kassenhäuschen.


Auf dem Weg erwarten Sie gut 20 historische und naturhistorische Stationen, darunter eine Römerstraße, Feldsteinmauern, ein Menhir, Höhlen, die vor nicht allzu langer Zeit noch bewohnt waren, ein Schiffsgraffiti, Bienenhäuser, auch eines aus vermutlich punisch-römischer Zeit, ein 1000 Jahre alter Johannisbrotbaum, Reste eines Steinzeittempels, eine Rundhütte aus Feldsteinen (Girna), ein punisches Grab, eine Bauernhütte, ein unterirdisches Getreidesilo, steinzeitliche über 5000 Jahre alte Grabkammern, ein militärischer Wachtposten aus dem 2. Weltkrieg, römische Bäder, das Mistra Gate vor einem traditionellen Farmhaus und Beispiele für die an verschiedenen Stellen der Inseln anzutreffenden geheimnisvollen Karrenspuren.


Dass der Weg als Wanderweg existiert, ist vor allem Frans Scerri, einem Bürger von Xemxija, zu verdanken. Vor einem Vierteljahrhundert hat er gemeinsam mit Freunden die Initiative für die Ausschilderung sowie die Hege und Pflege des Weges ergriffen und dafür die Unterstützung der Stadtverwaltung von St. Paul’s Bay gewonnen. Heute kümmert sich zudem „Malte Accueil“, eine Gruppe frankophoner Expats, um die Erhaltung der Wege, wozu auch regelmäßige Abfall-Sammelaktionen gehören. Schauen Sie doch mal auf die Facebook-Seite „Friends of Xemxija Heritage Trail“.  

Wegweiser zur Roman Road (Xemxija Heritage Trail)

Von den Römern lernen, heißt Straßenbau lernen. Randsteine aus einem nahen Steinbruch stabilisierten schon vor 2000 Jahren die Straßendecke, ein Kanal am linken Rand sorgt für Drainage. An einigen Stellen (nicht im Bild) wird auch auf der rechten Seite Wasser eingesammelt und unter der Straße hindurch in den Kanal auf der linken Seite geleitet.


Der etwas unförmige Stein im Bild rechts wird uns auf einer Schautafel als Menhir beschrieben. Abgeleitet von den bretonischen Wörtern „Men“ (Stein) und „hir“ (lang). Im bretonischen Carnac stehen Steinreihen mit ursprünglich über 3000 Menhiren. Dieser hier, erfahren wir, gehörte zu einem Konglomerat prähistorischer Tempel und Gräber in der Gegend.


Dem Graffiti einer Galeere (unteres rechtes Bild) verdankt die Höhlenwohnung (im Bild darunter) ihren Namen: Cave of the Galley. Solchen Ritzzeichnungen von Schiffen, die man in Malta vorwiegend an den Außenwänden von Kirchen und Kapellen entdecken kann, widmet das Buch „Abseits“ (siehe Kasten) ein eigenes Kapitel. Sie seien vermutlich von Seeleuten geritzt, entweder als Dank für eine überstandene schwere Überfahrt „oder als Fürbitte, dass sie auch bei der nächsten Passage ihr Ziel sicher erreichen mögen“.

Höhlen waren in Malta noch bis ins 19. Jahrhundert von Menschen bewohnt. Sie waren kühl im Sommer und warm im Winter. Von der Steinzeit bis zur Antike wurden sie vermutlich als Begräbnisstätten genutzt.

 


Xemxija Heritage Trail, Cave of the Galley Girna bei Xemxija, Malta

Die Roman Road und der Xemxija Heritage Trail

Anfahrt: Von Valletta die Busse in Richtung Ċirkewwa (Nr. 41, 42) nehmen, Ausstieg in Xemxija, Haltestelle „Roti“.

Startpunkt
: Von der Bushaltestelle „Roti“ auf der Küstenstraße (Telghet ix-Xemxija) weiterlaufen und links in die steile Triq ir-Ridott einbiegen. Links taucht das Porto Azzurro Apart Hotel auf. Weiter auf der Triq ir-Ridott überquert man die Triq is-Simar. An der nachfolgenden scharfen Rechtskurve, dort, wo die Triq ir-Ridott zur Triq Radett ir-Roti wird, befindet sich links der ausgeschilderte Einstieg in den Trail.

Wegbeschaffenheit: Uneben, bisweilen steinig, daher ist festes Schuhwerk empfehlenswert. Und natürlich Sonnenschutz, schließlich lässt sich Xemxija (von maltesisch Xemx = Sonne) auch als „die Sonnige“ übersetzen.

Dauer: Bequem in zwei Stunden.

Literatur: Im Tourist Office von St. Paul's Bay (Misrah il-Bajja, im Stadtteil Buġibba) ist die kostenlose englischsprachige Broschüre „Xemxija Heritage Trail“ erhältlich. Eine 12-seitige deutschsprachige Beschreibung  bietet das Kapitel „Römerweg“ in dem Band „Abseits“ von Bettina und Christian Launer. Hier geht’s zur Buchbesprechung.


Einkehr: Xemxija Café Lounge, an der Küstenstraße (Telghet ix-Xemxija). Cafe, Restaurant, Pizzeria & Wine Bar mit sehr großzügigen Öffnungszeiten und ungezwungener Atmosphäre.


Römerstraße (Roman Road) in Xemxija, Malta Straßenbegrenzung und Drainage an der Römerstraße (Roman Road) in Xemxija, Malta Menhir auf dem Heritage Trail bei Xemxija, Malta Schiffsgraffiti auf dem Xemxija Heritage Trail

Diese Girna (Bild oben) erblickt man auf einem Feld etwas abseits vom Hauptweg. Solche Feldhütten aus Trockensteinmauerwerk stehen vor allem im Norden Maltas. Sie haben eine innere und äußere Mauer und runde, ovale rechteckige oder quadratische Formen. Als runde Kuppelbauten fallen sie am meisten auf. Seit wann Giren in Malta gebaut wurden, ist unbekannt; dokumentiert sind sie seit dem 16. Jahrhundert. Heute dienen sie den Bauern als Unterstände oder zur Aufbewahrung von Gerätschaften. In der Vergangenheit waren einige Exemplare auch bewohnt.


Bienenhaus auf dem Xemxija Heritage Trail Bienenhaus auf dem Xemxija Heritage Trail (Teilansicht)

Auf dem Weg werden Sie drei einzigartige alte Bienenhäuser (Apiaries) entdecken. Das Älteste dürfte ca. 2000 Jahre alt sein. Denn schon zu Römerzeit war Honig neben feinem Tuch ein bedeutender Exportartikel der maltesischen Inseln. Das haben schon Generationen von Lateinschülern erfahren, die sich durch Ciceros leidenschaftliche Anklage gegen Gaius Verres quälen mussten, allerdings mit dem Lohn, ein Rhetorik-Genie erleben zu können. Cicero zeichnet vor Gericht ein Bild von Verres als eines gierigen und korrupten Statthalters der Provinz Sizilien, zu der Malta damals gehörte und wirft ihm auch Honigklau vor. Doch davon später. Die Römer hatten die punische Bezeichnung für Malta, Malet = Zufluchtsort, in Melita geändert, sehr wahrscheinlich abgeleitet von Mel, dem lateinischen Wort für Honig. Auch heute wird Malta gelegentlich in Reisekatalogen als „Die Honiginsel“ angepriesen, was sich wohl mehr auf seine honigfarbenen Felsen bezieht.  




Verres: Ein römischer Statthalter wird zum Honigdieb

Jener Verres hatte seine Statthalterschaft vorwiegend zur persönlichen Bereicherung genutzt und ließ per Schiff unter anderem aus Malta  in den Hafen von Syrakus auf Sizilien alles heranschaffen, wessen er habhaft werden konnte, darunter eben auch Honig. Auf die Schliche kam ihm Cicero nach Prüfung der Bücher der Hafengesellschaft. In denen entdeckte er nämlich Fälschungen, die verschleiern sollten, dass Verres mit Duldung der Gesellschaft keine Zölle auf die Einfuhren entrichtete.  

„Non quaero unde cccc amphoras mellis habueris…“, begann Cicero im Jahre 72 vor Christus diesen Teil seiner viele Kapitel umfassenden Anklage. „Ich frage nicht, woher du die vierhundert Fässer Honig gehabt hast und die ganzen Malteserstoffe und die fünfzig Esszimmerdiwane und die Menge Kandelaber“, klagt Cicero (in der bei Reclam erschienenen Übersetzung von Friedrich Spiro), um dann süffisant fortzufahren  „Woher du es nahmst, das geht uns jetzt nichts an, wohl aber möcht' ich wissen, wozu du diese Masse brauchtest.  Vom Honig sprech' ich nicht weiter, aber Malteserstoffe waren es ja so viel, als wolltest du auch die Frauen deiner Freunde versorgen, und Diwane so viel, als wolltest du alle ihre Villen neu möblieren! "





Wie Urnengräber erscheinen die in den Fels gehauenen bogenförmigen Einflugschneisen der Bienen. Vielleicht waren die Apiaries tatsächlich erst Grabstätten, bevor sie zu Bienenhäusern wurden. Gesammelt wurde der Honig in rohrförmigen  Tongefäßen, die sich hinter den Alkoven, den Einfluglöchern befanden. Sie waren auf einer Seite offen und auf der Einflugseite, bis auf kleine Löcher für die Bienen, geschlossen.  Diese traditionelle Bienenhaltung, oft wurden die Tongefäße einfach in Johannesbäume gehängt, gab es in Malta bis in die 1950er Jahre. Heute werden nur noch die üblichen Holzkisten mit beweglichen Fächern als Bienenhäuser verwendet. Dadurch lassen sich Bienenkrankheiten besser kontrollieren. Ohnehin gilt die endemische Maltesische Biene Apis Mellifera Ruttneri als gefährdet.


 

Pilgerkreuze auf dem Xemxija Heritage Trail

Die von den Römern gebaute Straße wurde später auch Teil eines Pilgerwegs zum Heiligtum unserer Lieben Frau von Mellieħa (Sanctuary of Our Lady of Mellieħa, ca. 14. Jahrhundert). Häufig machten die Pilger sich auf diesen Weg, um ein Gelübde einzulösen, gelegentlich legten sie ihn als freiwillig auferlegte Buße in Ketten zurück. Die eingeritzten (und nachträglich durch schwarze Farbe sichtbar gemachten) Kreuze und andere am Fels angebrachte Symbole zeugen davon, dass Pilger diesen Weg gegangen sind. Freilich ist der Weg nach Mellieħa mit ca. 3 km nicht besonders lang, wenn man ihn in Xemxija beginnt. |Seite 2 von 3 >>