Gaulitana Festival

Viva Verdi! – Gozo macht wieder mit Opern Furore

von Gabriele Spiller

Die Insel wird zum Schauplatz von Rigoletto, Otello, La Traviata und La Forza del Destino. Das Malta Philharmonic Orchestra und internationale Sänger folgen Maestro Colin Attards Taktstock.

Gillian Zammit in La Traviata. Foto: Matthew Muscat Drago

Gillian Zammit als Violetta in La Traviata. Die Szene wurde aufgenommen in der VIP-Halle des Aurora Theaters, einem der beiden Opernhäuser in Gozos Inselhauptstadt Victoria. Foto: Matthew Muscat Drago

Normalerweise steht eine opulente Opernproduktion im Mittelpunkt des Gaulitana Festivals in Victoria, Gozo. Aber was war schon normal in den vergangenen Monaten? Das 14. Festival musste wie schon im Jahr zuvor auf eine Live-Oper im Teatru tal-Opra Aurora verzichten. Und jetzt? Nun gibt es statt einer Oper – vier! Ausschnitte, genauer gesagt, aber diese Videos haben es in sich. An die Stelle des konventionellen Bühnenbilds treten realitätsnahe Szenen in Gozo. Der künstlerische Direktor Colin Attard und seine Mitstreiter haben Rigoletto, La Traviata, La Forza del Destino und Otello in der Insellandschaft angesiedelt. Ein Verdi-Fest für Augen und Ohren!

„Die Produktion musste unter den geltenden Corona-Restriktionen entwickelt werden“, sagt Colin Attard, „das hatte schon mal Einfluss auf die Auswahl der Stücke“. Sein Gaulitanus Chor – vor 30 Jahren gegründet und bereits in Hamburg und Berlin auf Tournee – kann noch nicht wie gewohnt auftreten. Die jährlichen Opern sind sonst ein Höhepunkt für die Sänger und den Verein. Auch die Anreise ausländischer Solisten war bis auf eine Ausnahme nicht möglich. Der Dirigent suchte also Künstler aus dem maltesischen Angebot.

Colin Attard Foto: Elisa von Brockdorff

Colin Attard. Foto: Elisa von Brockdorff

Trotz Abstand zusammenhalten

Seine Probenzeit war seit längerem im Kalender des Malta Philharmonic Orchestra reserviert. Mit den Musikern probte er im Mediterranean Conference Centre in Valletta (MCC) – schön auf Abstand – was ihn als Dirigenten besonders forderte: „Es war nicht einfach, alle auf die Distanz im Takt zu halten, insbesondere bei einer Opernproduktion, wo die Stimme den Weg zeigt.“ Die sonst so kompakte Anordnung im Orchestergraben wurde auf der Bühne des MCC aufgelöst. Es durften nie mehr als zwei Sänger gleichzeitig auftreten.

Luis Aguilar in Rigoletto. Foto: Matthew Muscat Drago

Luis Aguilar als Herzog von Mantua in Rigoletto. Die Szene entstand im Palazzo Palina des Ta‘ Cenc Hotels in Sannat. Foto: Matthew Muscat Drago

Nicola Said in Rigoletto. Foto: Matthew Muscat Drago

Nicola Said als Gilda in Rigoletto. Foto: Matthew Muscat Drago

Nach der aufwändigen Audioaufnahme und Postproduktion fing die Herausforderung erst richtig an. Die vier Opern wurden mit der Regisseurin Denise Mulholland in gozitanische Locations verlegt. Dafür agierten die Sänger zur aufgenommenen Musik, die ihnen per Lautsprecher zugespielt wurde. Der Herzog von Mantua (Tenor Luis Aguilar) „singt“ im Palazzo Palina des Ta‘ Cenc Hotels in Sannat, so wie auch Gilda (Sopran Nicola Said). Wir sehen einen modernen Herzog, der in einem Gentleman’s Club Billard spielt, während er sich vor seinen Freunden mit seinen weiblichen Eroberungen brüstet. Im instrumentalen Preludio gibt Schauspieler Rob Ricards den Rigoletto.

Private Champagnergläser und Gartenblumen

Die festliche Szene, in der „La Traviata“ Violetta (Sopran Gillian Zammit) eine Abendgesellschaft feiert, wurde in der VIP-Halle des Aurora Theaters gedreht. „Die Freskos und Gemälde gaben bereits einen wunderbaren Hintergrund ab“, sagt Attard. „Wir haben den Raum weiter ausgeschmückt; Bühnenbildner Andrew Borg brachte sogar die Champagnergläser seiner Familie als Requisiten mit.“ Mit Pflanzkübeln und Blumenarrangements rundeten die vielen freiwilligen Helfer das Bild ab.

Andriana Yordanova. Foto: Matthew Muscat Drago

Andriana Yordanova als Leonora in La Forza del Destino (Die Macht des Schicksals), aufgenommen im Lunzjata Valley bei Victoria. Foto: Matthew Muscat Drago

Einen Openair-Dreh gab es dann für „La Forza del Destino“, nämlich im naturbelassenen Lunzjata Valley bei Victoria. Hier ist die Szene angesiedelt, in der Leonora (Sopran Andriana Yordanova) ins Kloster geht. Der historische Kapuziner-Konvent sowie eine Eremitenhöhle passten perfekt ins Konzept. Da man dafür nur einen Aufnahmetag mit den Künstlern hatte, startete man um 7 Uhr morgens und filmte bis nach Mitternacht. Per Lieferdienst wurden die Mahlzeiten gebracht, so auch der Morgenkaffee für das gesamte Team. Leider kippte der in der Landschaft liebevoll präparierte Tisch um, so dass man ohne Koffein-Kick ans Werk gehen musste!

Designer-Kostüme im „venezianischen“ Ambiente

Die Kostüme entwarf der renommierte, in Gozo geborene Couturier Luke Azzopardi. Natürlich waren auch Make-up-Künstler mit von der Partie, die die Sopranistinnen Monica Zanettin und Joanna Pullicino für ihren Auftritt in der Cittadella fein machten. „Die Ausblicke und Details wie die venezianischen Fenster am Gran Castello Historic House boten uns Inspiration für den in Venedig spielenden Otello“, erklärt Attard.

Das Ergebnis ist ab Mittwoch, 14. Juli, auf Facebook und darüber hinaus auf YouTube (Gaulitana) gratis anzuschauen. Attard: „Wir hoffen, die Produktion ist nicht nur für Opernliebhaber interessant, sondern auch für Leute, die sich für Kultur im Allgemeinen interessieren. Nicht zuletzt möchten wir auch den Tourismus anregen, indem man die Insel einmal aus anderen Blickwinkeln sieht.“ Für den Musikvermittler sind die Online-Streamings eine neue Dimension in Gozos tief verwurzelter Beziehung mit der Opernkunst.

Monica Zanettin und Joanna Pullicino in Otello . Foto: Matthew Muscat Drago

Monica Zanettin als Desdemona und Joanna Pullicino als Emilia in Otello. Gedreht wurde im Gran Castello Historic House innerhalb der Zitadelle in Victoria. Foto: Matthew Muscat Drago

„Virtually a Cappella“ war ein großer Erfolg

Er zeigt sich überaus zufrieden mit der Resonanz auf den 1. Teil des Gaulitana Festivals 2021, der Solokonzert-Reihe „Virtually a Cappella“, die in vier gozitanischen Gotteshäusern aufgezeichnet wurde. „Die Zuschauerzahlen haben unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Attard, „wir hatten sogar mehr Zuschauer aus Italien als auf Malta.“ Allerdings, so fügt er an, gebe es laut Statistik durchaus noch Zuschauerpotenzial im deutschsprachigen Raum.

Gabriele Spiller ist eine schweizerisch-deutsche Journalistin und Buchautorin ("50 Gründe, Gozo zu lieben"). Sie lebt in Għajnsielem auf Gozo.

Das Programm:

Die vier Produktionen von "Viva Verdi!" werden jeweils mittwochs um 20:30 Uhr gestreamt.

14. Juli 2021: “La Traviata”. Die maltesische Sopranistin Gillian Zammit in zwei Schlüsselszenen als Violetta Valéry.

21. Juli 2021: “Otello”. Die italienische Sopranistin Monica Zanettin als Desdemona mit “Piangea cantando nell'erma landa” und dem "Ave Maria".

28. Juli 2021: “Rigoletto”. Der mexikanische Tenor Luis Aguilar als Herzog von Mantua mit “Ella mi fu rapita…Parmi veder le lacrime" sowie die maltesische Sopranistin Nicola Said als Gilda mit “Caro nome che il mio cor".

4. August 2021: “La Forza del Destino”. Die bulgarische Sopranistin Andriana Yordanova mit mehreren Arien in der Rolle der Leonora.

So können Sie die Konzerte miterleben:

Streaming am 14. / 21. und 28. Juli sowie am 4. August, um 20:30 Uhr

auf der 'Gaulitana: A Festival of Music' Facebook-Seite

https://www.facebook.com/gaulitana/

„Virtually a Cappella“ kann weiterhin hier angeschaut werden: https://www.youtube.com/channel/UCwtp7E2jZXEKFYP-LAJ2dng/videos