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Wenn es Nacht wird in Valletta (I)


27  Januar 2017,  Seite 1 von 3


Auch wenn es sich noch nicht überall herumgesprochen hat: Valletta hat ein lebendiges Nachtleben. Und das ist vor allem der Metamorphose einer einst berüchtigten Straße zu verdanken.


Valletta an einem Freitag. An diesem Abend bin ich mit der Fähre aus Sliema von der gegenüberfliegenden Seite des Marsamxett-Hafens in die Stadt gekommen. Wie die meisten touristischen Besucher der Hauptstadt wohne ich außerhalb in den Touristenzentren wie Sliema und St. Julians und verbringe dort auch die Abende. Ich habe mich diesmal anders entschieden und nach vielen Jahren mal wieder auch einen nächtlichen Bummel durch die Hauptstadt geplant, gut versorgt mit Vorschlägen von Einheimischen.

Touristen schätzen Valletta tagsüber als das einzigartige Gesamtkunstwerk, das die vom Malteserorden errichtete Barock- und Festungsstadt seit ihrer Gründung geblieben ist. Nachts aber erschien die Stadt den Besuchern über Jahrzehnte als ausgestorben, jedenfalls, wenn man mehr vorhatte, als ins Kino zu gehen und abgesehen von Abenden mit größeren Veranstaltungen. Diesmal bin ich neugierig auf das abendliche Valletta jenseits der Einkaufs- und Kulturmeile Republic Street, an der entlang die Hauptsehenswürdigkeiten wie eine Perlenkette aufgereiht sind.


Das andere Valletta beginnt in der Strait Street


Dieses andere Valletta beginnt in der parallel verlaufenden Strait Street. Sie war einst das Amüsierviertel der Stadt für die Seeleute mit unzähligen Nachtbars, Cabarets und Dance Halls und auch der Rotlichtbezirk der Stadt. Der Amüsierbetrieb endete schon Mitte des vorigen Jahrhunderts, als Malta nach dem zweiten Weltkrieg seine Bedeutung als britischer Marinestützpunkt einbüßte und spätestens als 1979, fünfzehn Jahre nach der Unabhängigkeit von Großbritannien die letzten britischen Truppen Malta verließen. In den letzten Jahren haben Gastronomen, Geschäftsleute und Architekten dieser Straße mit geradezu liebevollem Engagement als Ausgehmeile neues Leben eingehaucht, als sympathischen Ort eines ebenso gediegenen wie harmlosen Vergnügens. Die Stadtplaner haben klugerweise die verbliebenen Hinweise auf die ruchlose Vergangenheit der Straße nicht beseitigt, sondern restauriert und erkannt, dass auch sozialgeschichtliche Spuren erhaltenswert sind.

Vallettas schönstes Klo


Die Leute von der Valletta 2018 Foundation treiben es sogar noch weiter, in dem sie viele kulturelle Veranstaltungen, auch Klassik-Konzerte, in diese Straße verlegen und für das Projekt sogar den wenig schmeichelhaften Spitznamen verwenden, den ihr seinerzeit die Seeleute gegeben haben: The Gut. "Der Magen" wäre eine noch freundliche Übersetzung. Einige der in den letzten Jahren eröffneten Bars, Bistros und Restaurants tragen wieder die alten Namen wie das Tico Tico oder die Loop Bar. Sogar Marks & Spencer hat sich mit einer Dependance in der schmalen Straße angesiedelt. Hinter einem bescheidenen Eingang betritt man ein mehrstöckiges Kaufhaus. Einer der außergewöhnlichsten Beiträge zur Renaissance der Strait Street ist die 2010 eröffnete öffentliche Toilette, die in Rottönen gehalten von außen wie ein Cabaret gestaltet ist. Innen kassiert ein wie ein Barkeeper mit Anzugsweste und mit Fliege gekleideter Gentleman den Obolus für die Benutzung. |Seite 2 von 3 >>

Das Tico Tico in der Strait Street Valletta bei Tag TheRootz in der Strait Street Valletta Tico Tico und Loops in der Strait Street Valletta Das Kennedy in der Strait Street Valletta Vermietangebot im The Gut in der Strait Street in Valletta Das Kennedy in der Strait Street Valletta Innenansicht Waschbütte im Kennedy in der Strait Street Valletta Das Alchemy in der Strait Street Valletta Public Convenience, Strait Street Valletta, Glasfront Public Convenience, Strait Street Valletta, Schild

Zu den Bildern:  (von oben links nach unten rechts) TheRootz | Das Tico Tico bei Tag | Die Loop Bar und das  Tico Tico | Im Alchemy wurde Ende Januar 2018 noch gewerkelt. Es befindet sich ebenso wie das vor kurzem eröffnete Kennedy im neuen The Gut-Komplex, einem restaurierten Stadthaus im unteren Teil der Strait Street. Im Kennedy ergänzen sich warme Holzelemente und mediterranes Fliesendekor. Im schönen Kontrast dazu die Wände, die den Charme von abblätterndem Putz und mehrfacher Übermalung aufgreifen. An rauere Zeiten erinnert auch die Waschbütte auf der Toilette, die man durch die in den Stein gehauene Wendeltreppe erreicht. | Im The Gut stehen weitere Etablissements vor der Fertigstellung, es gibt aber auch noch Räume zu mieten. | Die Glasfront des wie ein Cabaret gestalteten Public Convenience, der wohl schönsten öffentlichen Bedürfnisanstalt der Hauptstadt, präsentiert Dutzende Wörter, die wie Valletta mit dem Buchstaben „V“ beginnen.  Eine Reminiszenz an Thomas Pynchons 1963 erschienenen Debut-Roman „V“. Das Buch führt den Leser zu vielen Rätseln und Schauplätzen und auf geniale Weise auch etwas an der Nase herum. Einige Schlüsselszenen spielen in Malta und eben auch in der Strait Street.